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Geistliche Impulse und biblische Betrachtungen

von Michael Flesch

Herzlich willkommen, liebe Freunde und Geschwister in der digitalen Gemeinschaft! Egal, ob Sie heute von zu Hause, unterwegs oder an Ihrem Arbeitsplatz zuschauen – wir freuen uns außerordentlich, dass Sie da sind. In einer Welt, die oft von Hektik, Unsicherheit und der Suche nach Bedeutung geprägt ist, ist es ein besonderes Geschenk, diesen virtuellen Raum der Stille, des Hörens und der Hoffnung teilen zu können.

Lesung aus dem Heiligen Evangelium nach Johannes (Kapitel 2, Verse 8-13)

„Und Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Krüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenhin. Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt es dem Speisemeister! Und sie brachten es. Als aber der Speisemeister das Wasser kostete, das zu Wein geworden war, und nicht wusste, woher er war – die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es –, ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie betrunken werden, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückbehalten. Das tat Jesus als Anfang der Zeichen in Kana in Galiläa und offenbarte seine Herrlichkeit; und seine Jünger glaubten an ihn. Danach ging er hinab nach Kapernaum, er und seine Mutter und seine Brüder und seine Jünger; und sie blieben nicht viele Tage dort. Und das Passah der Juden war nahe, und Jesus ging hinauf nach Jerusalem."

1. Einleitung: Wenn der Wein ausgeht

Stellen Sie sich vor: Ein großes Fest, eine Hochzeit. Die Luft ist erfüllt von Lachen, Musik und Vorfreude. Doch plötzlich flüstert jemand dem Gastgeber etwas zu, und ein Schatten legt sich über sein Gesicht. Der Wein ist alle. In der Kultur damals war das mehr als ein kleiner Fauxpas; es war eine soziale Katastrophe, ein Zeichen großer Schande und mangelnder Gastfreundschaft. Die Freude droht, in bittere Enttäuschung umzuschlagen.

Kenn Sie das auch? Dieses Gefühl, dass der „Wein" in Ihrem Leben ausgeht? Die Kraft, die Geduld, die Hoffnung, die Freude – einfach aufgebraucht? Vielleicht in der Partnerschaft, im Beruf, im Umgang mit der eigenen Gesundheit oder angesichts der Nachrichten dieser Welt. Die Feste des Lebens werden von der Sorge überschattet, dass die Ressourcen endlich sind.

Genau in eine solche Situation hinein spricht unser Text. Er erzählt nicht von einem abstrakten theologischen Konzept, sondern von einem ganz handfesten Wunder. Jesus verwandelt Wasser in Wein. Aber dieses erste „Zeichen", wie Johannes es nennt, ist weit mehr als ein magischer Trick. Es ist eine Tür, die sich öffnet, um denjenigen kennenzulernen, der die Quelle des Lebens selbst ist. Unser Leitgedanke heute lautet: In Jesus offenbart Gott seine Herrlichkeit als der, der unserem Leben Fülle, Sinn und ewige Perspektive schenkt. Lassen Sie uns gemeinsam dieses erste und grundlegende Zeichen anschauen, Vers für Vers.

2. Biblische Auslegung: Die Offenbarung der Herrlichkeit

Der Kontext: Ein Neubeginn in Kana

Das Johannesevangelium ist sorgfältig wie eine Symphonie komponiert. Nach dem gewaltigen Prolog („Im Anfang war das Wort…") und der Berufung der ersten Jünger kommt es zu diesem ersten öffentlichen Akt Jesu. Es geschieht nicht im Tempel, nicht vor einem gelehrten Publikum, sondern mitten im Leben, bei einem Familienfest. Gott kommt in die Alltäglichkeit, in die Freuden und Nöte der Menschen. Das ist die Bühne für die erste große Offenbarung.

Vers für Vers: Tiefe in den Zeichen

Vers 8: „Das tat Jesus als Anfang der Zeichen…"
Das Wort Zeichen (griech. semeion) ist entscheidend. Ein Zeichen verweist über sich selbst hinaus. Der verwandelte Wein ist nicht das Endziel. Er ist ein Hinweis, ein Pfeiler, der auf die Person Jesu zeigt. Johannes spricht bewusst von „Zeichen" und nicht von „Wundern". Es geht um die Bedeutung, nicht nur um die spektakuläre Tat. Dieses erste Zeichen markiert den „Anfang" – den Beginn einer neuen Epoche, der Offenbarung Gottes in Jesus.

Vers 9: „…und offenbarte seine Herrlichkeit;"
Hier ist das Ziel des Zeichens genannt: Die Offenbarung der „Herrlichkeit". In der alttestamentlichen Sprache ist „Herrlichkeit" (hebr. kabod) die sichtbare, erfahrbare Gegenwart Gottes. Jesus macht die unsichtbare Liebe und Macht Gottes sichtbar und berührbar. Doch wie geschieht diese Offenbarung? Nicht durch donnernde Verkündigung, sondern durch schöpferisches Handeln.

Vers 10: „…und seine Jünger glaubten an ihn."
Die beabsichtigte Wirkung tritt ein: Glaube wird geweckt. Aber beachten Sie: Es sind zunächst nur die Jünger, die bereits mit ihm unterwegs sind. Der Speisemeister staunt über die Qualität des Weins, aber er erkennt die Quelle nicht. Die Diener, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es (V. 9). Es braucht oft einen Schritt des Gehorsams („Füllt die Krüge!"), des Dienens, um zur Erkenntnis zu kommen.

3. Praktische Anwendung: Den Wein in unserem Alltag schmecken

Für unsere Online-Gemeinde: Glaube im Digitalen Zeitalter

Liebe digitale Gemeinde, unsere Situation hat erstaunliche Parallelen zu der Geschichte. Auch wir sind oft „online" in einem doppelten Sinne: verbunden über das Internet, aber manchmal innerlich auf „Reserve" oder sogar „leer". Die Krüge unserer Seele sind oft mit dem „Wasser" der Routine, der Informationsflut, der virtuellen Oberflächlichkeiten gefüllt.

Wo findet die Verwandlung statt? Das Zeichen Jesu lädt uns ein, ihm unsere alltäglichen, oft banal erscheinenden „Wasserkrüge" hinzuhalten: unsere Zeit, unsere Aufmerksamkeit, unsere Beziehungen, unsere Arbeit. Die Einladung lautet: „Füllt sie bis obenhin!" Tun Sie, was in Ihrer Kraft steht. Und dann erwarten Sie die Verwandlung durch ihn.

Konkrete Umsetzung: Vom Wissen zum Glauben

Die Diener wussten, woher der Wein kam (V. 9). Die Jünger kamen zum Glauben (V. 11). Unser christlicher Weg ist oft ähnlich. Wir haben Wissen über Gott, über Jesus, über die Bibel. Aber die Herausforderung ist, dieses Wissen in einen lebendigen, vertrauenden Glauben zu verwandeln, der unser Handeln prägt.

Abschließendes Gebet:
Herr Jesus, du wunderbarer Verwandler, wir danken dir für dieses Zeichen deiner Herrlichkeit. Du siehst unsere leeren Krüge, unsere ausgegangene Freude, unsere müden Herzen. Wir bringen sie dir heute. Fülle du sie mit dem Wasser unseres Gehorsams und verwandle es durch deine schöpferische Kraft in den Wein der Freude, des Friedens und des ewigen Lebens. Stärke unseren glauben, dass wir in allem Alltäglichen und Besonderen deine Spur entdecken. Und führe uns durch deinen Geist immer tiefer in die Erkenntnis, dass du der Sohn des Vaters bist, der gekommen ist, damit wir das Leben in Fülle haben. Segne alle, die diese Worte hören oder lesen. Bewahre sie in deiner Liebe, heute und in Ewigkeit. Amen.