Die Firmung
Die Heilige Firmung - Sakrament der Reife und Stärkung
Die Tiefe der Heiligen Firmung
Die Heilige Firmung ist eines der sieben Sakramente der katholischen Kirche und markiert einen entscheidenden Schritt im Leben eines Christen. Während die Taufe uns in die Gemeinschaft der Gläubigen aufnimmt, bestätigt und vollendet die Firmung dieses Geschenk des Glaubens. Sie ist das Sakrament der Reife, in dem der Heilige Geist in besonderer Weise auf den Gläubigen herabgerufen wird, um ihn zu stärken und zu befähigen, seinen Glauben mutig zu bezeugen.
In der Firmung empfangen wir die sieben Gaben des Heiligen Geistes: Weisheit, Einsicht, Rat, Stärke, Erkenntnis, Frömmigkeit und Gottesfurcht. Diese Gaben sind keine menschlichen Fähigkeiten, sondern göttliche Geschenke, die uns befähigen, unser Christsein in der Welt zu leben. Die Firmung ist somit keine bloße Formalität oder Tradition, sondern eine tiefgreifende geistliche Wirklichkeit, die unser Leben verändern kann.
Der biblische Ursprung der Firmung findet sich in der Apostelgeschichte, als die Apostel den neu Getauften durch Handauflegung den Heiligen Geist mitteilten (Apg 8,14-17). Diese Praxis hat sich in der Kirche fortgesetzt und ist heute im Sakrament der Firmung lebendig. Durch die Salbung mit Chrisam, einem geweihten Öl, wird der Firmling mit Christus, dem Gesalbten (griech. "Christos"), verbunden und für seine Sendung in der Welt gestärkt.
Dieser Kurs möchte Ihnen helfen, die Tiefe und Schönheit der Heiligen Firmung zu entdecken. Er will nicht nur Wissen vermitteln, sondern eine Einladung sein, die Gnade dieses Sakramentes neu zu empfangen und im Alltag zu leben. Denn die Firmung ist kein Endpunkt, sondern ein Beginn - der Beginn eines Lebens in der Fülle des Heiligen Geistes.
1. Die Firmung als Vollendung der Taufe
Die Heilige Firmung ist untrennbar mit der Taufe verbunden. Während die Taufe den Gläubigen in die Gemeinschaft der Kirche aufnimmt und ihn von der Erbsünde reinigt, vollendet die Firmung diesen Initiationsprozess. Sie ist das Siegel des Heiligen Geistes, das die Taufgnade besiegelt und vertieft. In der frühen Kirche wurden Taufe und Firmung meist in einer Feier gespendet, was die enge Verbindung beider Sakramente unterstreicht.
Durch die Firmung werden wir noch enger mit Christus verbunden und empfangen eine besondere Kraft des Heiligen Geistes. Diese Kraft befähigt uns, unseren Glauben nicht nur privat zu leben, sondern ihn auch in der Öffentlichkeit zu bezeugen. Die Firmung ist somit kein optionaler Zusatz, sondern eine notwendige Vertiefung unseres Taufversprechens.
Tipp: Erinnern Sie sich an Ihre Taufe und betrachten Sie, wie die Firmung dieses Geschenk Gottes in Ihrem Leben vollendet hat. Vielleicht können Sie Ihr Taufdatum feiern als einen besonderen Tag Ihrer Geburt in Christus.
Die Firmung wird als Vollendung der Taufe bezeichnet, weil sie die in der Taufe begonnene Eingliederung in die Gemeinschaft der Kirche abschließt. Während die Taufe uns von der Sünde reinigt und als Kinder Gottes wiedergeboren werden lässt, schenkt die Firmung die besondere Kraft des Heiligen Geistes, um diesen Glauben zu leben und zu bezeugen. Beide Sakramente gehören zusammen und bilden die vollständige christliche Initiation.
Nein, die Firmung setzt die Taufe voraus. Sie ist die Vollendung des in der Taufe begonnenen Weges. Wer als Erwachsener in die Kirche aufgenommen wird, empfängt in der Regel beide Sakramente in derselben Feier (zusammen mit der Erstkommunion), aber immer in der Reihenfolge Taufe, dann Firmung. Die Taufe ist das grundlegende Sakrament, das uns zu Kindern Gottes macht, die Firmung stärkt uns dann für das Leben aus dieser Gotteskindschaft.
Die Taufgnade schenkt uns das neue Leben in Christus und macht uns zu Gliedern der Kirche. Die Firmgnade gibt uns die besondere Kraft des Heiligen Geistes, um dieses Leben zu entfalten und zu verteidigen. Während die Taufe uns "gebären" lässt, befähigt uns die Firmung, als reife Christen zu leben. Beide Gnaden ergänzen sich und sind aufeinander hingeordnet.
"Ihr aber seid der auserwählte Stamm, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Eigentum Gottes, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat." (1 Petrus 2,9)
2. Die sieben Gaben des Heiligen Geistes
In der Firmung empfangen wir die sieben Gaben des Heiligen Geistes, die bereits der Prophet Jesaja angekündigt hat (Jes 11,2-3). Diese Gaben sind: Weisheit, Einsicht, Rat, Stärke, Erkenntnis, Frömmigkeit und Gottesfurcht. Sie sind keine menschlichen Fähigkeiten, die wir uns selbst aneignen können, sondern göttliche Geschenke, die unser ganzes Sein durchdringen und verwandeln.
Die Weisheit befähigt uns, Gott über alles zu lieben und die Welt mit seinen Augen zu sehen. Die Einsicht hilft uns, die Wahrheiten des Glaubens zu verstehen. Der Rat schenkt uns Unterscheidungsvermögen in schwierigen Entscheidungen. Die Stärke gibt uns Mut, unseren Glauben auch in Widerständen zu bekennen. Die Erkenntnis lässt uns Gott in der Schöpfung entdecken. Die Frömmigkeit vertieft unsere Beziehung zu Gott als unserem Vater. Die Gottesfurcht schließlich ist keine ängstliche Furcht, sondern eine tiefe Ehrfurcht vor der Heiligkeit Gottes.
Tipp: Bitten Sie regelmäßig um die Entfaltung der sieben Gaben des Heiligen Geistes in Ihrem Leben. Vielleicht können Sie jeden Tag der Woche eine besondere Gabe in Ihr Gebet einschließen.
Die Gaben des Heiligen Geistes zeigen sich oft in scheinbar kleinen Momenten: wenn wir in einer schwierigen Situation plötzlich Klarheit haben (Rat), wenn wir Geduld aufbringen wo wir sonst ungeduldig wären (Stärke), oder wenn wir in der Natur oder in Begegnungen Gottes Gegenwart spüren (Erkenntnis). Sie äußern sich auch in unserem Verlangen nach Gebet (Frömmigkeit) oder in unserer Fähigkeit, Dinge aus Gottes Perspektive zu betrachten (Weisheit). Wichtig ist, dafür sensibel zu werden und Gott für diese Gnadenmomente zu danken.
Nein, die Gaben sind unterschiedlich verteilt, entsprechend der Berufung jedes Einzelnen. Der Heilige Geist schenkt jedem, was er für seinen besonderen Weg braucht. Manche Menschen haben vielleicht die Gabe der Stärke besonders ausgeprägt, andere die Gabe der Einsicht. Wichtig ist nicht die Quantität, sondern die Bereitschaft, die empfangenen Gaben fruchtbar werden zu lassen. Alle Gaben sind wertvoll und ergänzen sich in der Gemeinschaft der Gläubigen.
Die Gaben des Heiligen Geistes sind uns in der Firmung grundsätzlich geschenkt, aber sie können "einschlafen", wenn wir sie nicht pflegen. Durch schwere Sünde oder Gleichgültigkeit im Glauben können wir die Wirkung der Gaben in unserem Leben behindern. Aber Gottes Geschenke sind unwiderruflich (Röm 11,29). Durch die Beichte und eine erneute Hinwendung zu Gott können die Gaben wieder neu entfacht werden. Sie sind wie Samenkörner, die der Heilige Geist in unser Herz gepflanzt hat und die unserer Pflege bedürfen.
"Der Geist des Herrn ruht auf mir: denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe." (Jesaja 61,1)
3. Die Firmung als Sakrament der Sendung
Die Firmung ist nicht nur ein persönliches Gnadengeschenk, sondern gleichzeitig ein Sakrament der Sendung. Durch sie werden wir beauftragt und befähigt, Zeugen Christi in der Welt zu sein. Der Bischof oder Priester spricht bei der Firmspendung: "Sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist." Dieses Siegel ist gleichzeitig ein Auftrag - ähnlich wie die Apostel an Pfingsten durch den Heiligen Geist gestärkt wurden, um das Evangelium zu verkünden.
Jeder Gefirmte ist berufen, seinen Glauben im Alltag zu leben und zu bezeugen. Dies geschieht nicht notwendigerweise durch große Worte oder öffentliche Auftritte, sondern oft durch das stille Zeugnis eines Lebens aus dem Glauben. Die Art unseres Umgangs mit anderen, unsere Arbeitsethik, unsere Bereitschaft zu vergeben und zu dienen - all das sind Wege, wie wir unserer Firmberufung entsprechen können.
Tipp: Überlegen Sie, welche konkrete Form Ihr Firmauftrag heute in Ihrem Leben annehmen könnte. Vielleicht gibt es einen Bereich Ihres Lebens, in dem Sie besonders berufen sind, Christus zu bezeugen - sei es in der Familie, am Arbeitsplatz oder in der Gemeinde.
Ganz im Gegenteil! Die Firmung markiert nicht das Ende des Glaubensweges, sondern einen neuen Anfang. Sie ist vergleichbar mit der geistlichen Volljährigkeit, bei der wir die Verantwortung für unseren Glauben bewusst übernehmen. Der Heilige Geist, den wir empfangen, will uns ein Leben lang begleiten, vertiefen und verwandeln. Die Firmung ist daher eher eine Ausstattung für die Reise als ein Zielpunkt. Sie gibt uns die notwendigen geistlichen Werkzeuge, um im Glauben zu wachsen und Christus ähnlicher zu werden.
Ihren Firmauftrag können Sie auf vielfältige Weise leben: durch ein Leben nach den Geboten Gottes, durch aktive Teilnahme am Gemeindeleben, durch caritatives Engagement, durch das Gebet für andere oder durch einfache Zeugnisse im Alltag. Manchmal bedeutet Zeugnis geben auch, zu schweigen und zuzuhören, oder geduldig zu ertragen. Wichtig ist, sich vom Heiligen Geist führen zu lassen und die Möglichkeiten zu nutzen, die sich im eigenen Lebensumfeld bieten. Nicht alle sind zum Predigen berufen, aber alle sind zum Lieben berufen.
Mission bedeutet nicht notwendigerweise, in ferne Länder zu gehen oder auf der Straße zu predigen. Jeder Christ ist durch die Firmung zum missionarischen Zeugnis berufen, aber die Formen sind vielfältig. Für die meisten bedeutet es, in ihrem eigenen Umfeld durch Wort und Beispiel Zeugnis zu geben. Die Kirche kennt das Prinzip der "stillen Mission" - das anziehende Zeugnis eines authentisch gelebten Glaubens. Wichtig ist, sensibel für die Situationen zu sein, in denen Gott uns ruft, und dann den Mut zu haben, zu unserer christlichen Identität zu stehen.
"Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird, und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde." (Apostelgeschichte 1,8)
4. Die Bedeutung der Salbung mit Chrisam
Ein zentrales Zeichen der Firmung ist die Salbung mit Chrisam, einem geweihten Öl, das aus Olivenöl und Balsam besteht. Diese Salbung verbindet uns mit Christus, dessen Name "der Gesalbte" bedeutet. Schon im Alten Testament wurden Könige, Priester und Propheten durch Salbung in ihr Amt eingesetzt. In der Firmung werden wir als königliche Priesterschaft gesalbt, die berufen ist, Gott zu loben und die Welt zu heiligen.
Die Salbung erfolgt in Form eines Kreuzzeichens auf die Stirn, was symbolisiert, dass unser ganzes Denken von Christus geprägt sein soll. Das Chrisam duftet angenehm - ein Hinweis darauf, dass unser Leben den "Wohlgeruch Christi" (2 Kor 2,15) in die Welt tragen soll. Diese Salbung ist kein bloßes Ritual, sondern eine wirkmächtige Zeichenhandlung, durch die der Heilige Geist in uns wirkt.
Tipp: Wenn Sie sich an Ihre Firmung erinnern, denken Sie an den Moment der Salbung zurück. Vielleicht können Sie an Ihrem Firmtag jedes Jahr bewusst diesen Duft des Chrisam wahrnehmen - etwa durch den Besuch einer Chrisam-Messe oder durch das Entzünden eines duftenden Öls als Erinnerung.
Chrisam ist ein besonders geweihtes Öl, das der Bischof in der Chrisam-Messe am Gründonnerstag segnet. Seine Zusammensetzung aus Olivenöl (Symbol für Stärke und Ausdauer) und Balsam (Symbol für Wohlgeruch und Heiligkeit) macht es zum geeigneten Zeichen für die Firmung. Das Öl dringt in die Haut ein - so soll der Heilige Geist in unser ganzes Sein eindringen. Der Balsam verströmt einen angenehmen Duft - so soll unser christliches Leben für andere "duften". Die Verwendung von Chrisam unterstreicht die Würde unserer Berufung als Gesalbte Gottes.
Das Kreuzzeichen bei der Salbung hat eine tiefe symbolische Bedeutung. Es zeigt, dass wir ganz Christus gehören und mit ihm verbunden sind. Die Stirn als Ort des Denkens und Wollens wird gezeichnet, um anzudeuten, dass unser ganzes Denken und Wollen von Christus geprägt sein soll. Das Kreuz ist zudem das Zeichen unserer Erlösung und der Liebe Gottes. Durch dieses Zeichen werden wir gleichsam "markiert" als Eigentum Christi, der uns durch sein Kreuz erlöst hat.
Die Stirn wird gesalbt, weil sie der Sitz des Verstandes und des Willens ist. Durch die Salbung soll unser ganzes Denken und Wollen von Christus durchdrungen werden. Gleichzeitig ist die Stirn der Teil unseres Gesichts, der für andere sichtbar ist - ein Hinweis darauf, dass unser Christsein nicht verborgen bleiben soll, sondern in der Welt sichtbar werden muss. In der frühen Kirche war das Chrisam-Kreuz auf der Stirn so deutlich, dass es manchmal noch Tage nach der Firmung zu sehen war - ein öffentliches Bekenntnis zum christlichen Glauben.
"Gott aber ist es, der uns zusammen mit euch in Christus fest gegründet und uns gesalbt hat. Er hat uns sein Siegel aufgedrückt und das Unterpfand des Geistes in unsere Herzen gegeben." (2 Korinther 1,21-22)
5. Die Rolle des Firmpaten
Ähnlich wie bei der Taufe wird der Firmling von einem Paten begleitet. Der Firmpate steht dem Firmling zur Seite und soll ihn auf seinem Glaubensweg unterstützen. Die Wahl des Firmpaten ist daher eine wichtige Entscheidung, denn dieser Mensch soll nicht nur formal an der Feier teilnehmen, sondern ein geistlicher Begleiter sein.
Der Firmpate muss selbst gefirmt sein und ein Leben führen, das dem Glauben entspricht. Seine Aufgabe geht über den Firmtag hinaus: Er soll den Firmling ermutigen, den empfangenen Glauben zu leben, in schwierigen Zeiten Halt geben und durch sein eigenes Beispiel vorangehen. In einer Zeit, wo der Glaube oft herausgefordert wird, kann ein guter Firmpate einen entscheidenden Unterschied machen.
Tipp: Wenn Sie Firmpate sind oder werden möchten, überlegen Sie, wie Sie diese Rolle konkret mit Leben füllen können. Vielleicht durch regelmäßiges Gebet für Ihr Patenkind, durch geistliche Gespräche oder durch das gemeinsame Lesen eines Glaubensbuches.
Zwar ist die Anwesenheit eines Paten bei der Firmspendung nicht absolut notwendig für die Gültigkeit des Sakramentes, aber sie ist sehr empfehlenswert und in der Regel vorgesehen. Der Pate symbolisiert die Verbindung zur Gemeinschaft der Kirche und die fortlaufende Begleitung im Glauben. Falls wirklich kein geeigneter Pate gefunden werden kann, sollte zumindest ein Zeuge anwesend sein, der die Verbindung zur kirchlichen Gemeinschaft bezeugt. Im Zweifelsfall sollte man mit dem zuständigen Pfarrer oder Seelsorger sprechen, der in solchen Situationen weiterhelfen kann.
Um Firmpate zu sein, muss man selbst das Sakrament der Firmung empfangen haben und ein Leben führen, das dem Glauben entspricht. Idealerweise sollte der Pate auch ein praktizierender Katholik sein, der regelmäßig die Eucharistie feiert und die Gebote der Kirche befolgt. Er sollte mindestens 16 Jahre alt sein und darf nicht der Vater oder die Mutter des Firmlings sein. Wichtig ist, dass der Pate bereit ist, seine Verantwortung ernst zu nehmen und den Firmling im Glauben zu begleiten.
Als Firmpate können Sie Ihrem Patenkind auf vielfältige Weise helfen: durch Ihr Gebet, durch geistliche Gespräche, durch das Teilen Ihrer eigenen Glaubenserfahrungen, durch gemeinsame Gottesdienstbesuche oder durch kleine Aufmerksamkeiten zu kirchlichen Festen. Wichtig ist, eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen, in der über Glaubensfragen gesprochen werden kann. Manchmal ist schon die einfache Frage "Wie geht es dir mit deinem Glauben?" ein wertvoller Anstoß. Seien Sie vor allem ein Vorbild im Glauben - Kinder und Jugendliche lernen mehr von dem, was sie sehen, als von dem, was sie hören.
"Da trat der Geist des Herrn auf mich und sagte zu mir: Sag: So spricht der Herr: So habe ich euch geführt, Haus Israel, und ich will mich weiter um euch kümmern wie ein Pate um sein Patenkind." (Ezechiel 36,27 - freie Übertragung)
6. Die Firmung im Leben der Kirche
Die Firmung ist kein privates Geschehen, sondern ein Fest der ganzen Gemeinde. Durch die Firmung wird der Firmling voll in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen und erhält alle Rechte und Pflichten eines vollberechtigten Gemeindemitglieds. Er kann nun beispielsweise das Amt des Taufpaten übernehmen oder in bestimmten kirchlichen Gremien mitwirken.
Die Firmung verbindet uns aber nicht nur mit unserer Ortsgemeinde, sondern mit der weltweiten Kirche. Durch das gleiche Sakrament sind wir mit Millionen von Christen auf der ganzen Welt verbunden. Diese universale Dimension der Firmung erinnert uns daran, dass wir Teil eines größeren Ganzen sind - des Leibes Christi, der die Kirche ist.
Tipp: Entdecken Sie die Firmung als Anlass, sich stärker in Ihrer Gemeinde zu engagieren. Vielleicht gibt es einen Bereich, in dem Ihre besonderen Fähigkeiten gebraucht werden - sei es in der Liturgie, in der Caritas oder in der Glaubensweitergabe.
Der Bischof ist als Nachfolger der Apostel der ursprüngliche Spender der Firmung. Dies unterstreicht die Verbindung des Firmlings mit der Gesamtkirche und nicht nur mit der Ortsgemeinde. In der Praxis kann der Bischof diese Aufgabe an Priester delegieren, besonders in großen Diözesen oder besonderen Situationen. Dennoch bleibt die Firmung durch den Bischof der Regelfall, weil sie so die apostolische Sukzession und die Einheit der Kirche sichtbar macht. Wenn ein Priester firmt, tut er dies in Vertretung des Bischofs und in dessen Auftrag.
Durch die Firmung wird man vollberechtigtes Mitglied der katholischen Kirche. Man kann nun das Amt des Tauf- oder Firmpaten übernehmen, in bestimmten kirchlichen Gremien mitwirken (je nach Diözesanrecht) und hat die Pflicht, den Glauben aktiv zu leben und zu bezeugen. In einigen Diözesen ist die Firmung auch Voraussetzung für bestimmte kirchliche Ämter oder Dienste. Wichtigste "Pflicht" ist jedoch die bewusste Entscheidung, als Christ in der Welt zu leben und Verantwortung in der Kirche zu übernehmen.
Die Firmung verbindet uns mit der weltweiten Kirche, weil sie uns durch denselben Heiligen Geist mit allen Gläubigen auf der ganzen Welt vereint. Das gleiche Sakrament, das wir empfangen, wird in allen Teilen der katholischen Kirche gespendet. Durch die Firmung werden wir Teil der universalen Sendung der Kirche. Die Salbung mit dem vom Bischof geweihten Chrisam ist zudem ein Zeichen der Einheit mit der Ortskirche und durch sie mit der Gesamtkirche. So sind wir als Gefirmte nie isolierte Christen, sondern immer Glieder des einen Leibes Christi.
"Denn wie der Leib einer ist, doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich es viele sind, einen einzigen Leib bilden: so ist es auch mit Christus. Denn wir wurden alle in einem Geist in einen einzigen Leib hinein getauft." (1 Korinther 12,12-13)
7. Die Firmung im Alltag leben
Die Gnade der Firmung ist nicht auf den Tag der Spendung beschränkt, sondern will unser ganzes Leben durchdringen. Die Firmung im Alltag zu leben bedeutet, sich der Gegenwart des Heiligen Geistes in uns bewusst zu werden und uns von ihm führen zu lassen. Dies geschieht durch ein Leben im Gebet, durch die Teilnahme an den Sakramenten, besonders der Eucharistie und der Beichte, und durch ein liebevolles Engagement für andere.
Konkret kann dies heißen: in schwierigen Entscheidungen um die Gabe des Rates zu bitten, in Versuchungen um die Gabe der Stärke, in Beziehungen um die Gabe der Einsicht. Die Firmgnade will uns befähigen, in allen Lebensbereichen als Christen zu handeln - nicht nur sonntags in der Kirche, sondern montags im Büro, dienstags in der Familie, mittwochs in der Freizeit.
Tipp: Beginnen Sie den Tag mit einer kurzen Anrufung des Heiligen Geistes, etwa: "Komm, Heiliger Geist, erfülle mein Herz und entzünde in mir das Feuer deiner Liebe." So erinnern Sie sich täglich an Ihre Firmung und öffnen sich für die Gnade dieses Sakramentes.
Die Früchte der Firmung zeigen sich in einer wachsenden Christusähnlichkeit. Fragen Sie sich: Bin ich mutiger geworden im Bekennen meines Glaubens? Spüre ich eine tiefere Sehnsucht nach Gebet und Gottes Wort? Bin ich bereit, Verantwortung in der Kirche zu übernehmen? Reagiere ich in schwierigen Situationen mehr aus dem Glauben heraus als aus Angst oder Egoismus? Diese und ähnliche Fragen können helfen, die Wirkung der Firmgnade in Ihrem Leben zu erkennen. Wichtig ist, dass dieser Prozess Zeit braucht und nicht von heute auf morgen geschieht.
Besonders geeignet sind Gebete zum Heiligen Geist wie die Sequenz "Veni Sancte Spiritus" oder das einfache "Komm, Heiliger Geist". Auch die tägliche Anrufung der sieben Gaben des Heiligen Geistes kann helfen. Das Rosenkranzgebet um die Gaben des Heiligen Geistes oder die Lesung der Pfingstgeschichte (Apg 2) sind weitere Möglichkeiten. Wichtig ist weniger die Form des Gebetes als die regelmäßige bewusste Hinwendung zum Heiligen Geist, der in uns wohnt. Ein kurzes Stoßgebet im Alltag ("Heiliger Geist, hilf mir jetzt!") kann oft wirkungsvoller sein als lange Formeln.
Idealerweise sollte die Firmung kein einmaliges Ereignis bleiben, sondern eine ständige geistliche Realität in unserem Leben. Viele Christen feiern ihren Firmtag jährlich als geistlichen Geburtstag. Eine schöne Praxis ist es, sich jeden Morgen beim Kreuzzeichen an die Taufe und beim Waschen des Gesichts an die Firmsalbung zu erinnern. Besondere Anlässe wie Pfingsten oder Chrisam-Messen können ebenfalls Gelegenheiten sein, die eigene Firmung neu zu bedenken. Letztlich geht es nicht um ein zählbares "Wie oft", sondern um eine grundsätzliche Haltung der Offenheit für den Heiligen Geist.
"Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung." (Galater 5,22-23)