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Evangelium Matthäus 11

Zweifel und Offenbarung - Eine Predigt über Matthäus 11 | Glaube-ich.de

Zweifel und Offenbarung - Eine Predigt über Matthäus 11

Eine Auslegung des 11. Kapitels des Matthäusevangeliums

Liebe Besucher, habt ihr jemals gezweifelt? Zweifel an Gott, an eurem Glauben, an eurer Berufung? Wenn ja, dann seid ihr in guter Gesellschaft. Selbst Johannes der Täufer, von dem Jesus sagte, dass unter den von Frauen Geborenen kein Größerer aufgetreten ist, hatte Momente des Zweifels. Matthäus 11 ist ein faszinierendes Kapitel, das uns mitten hineinführt in die menschliche Erfahrung des Zweifels und gleichzeitig die göttliche Antwort der Offenbarung zeigt.

Das Matthäusevangelium, wie wir in der Einleitung gehört haben, wurde für eine jüdische Zielgruppe geschrieben und betont Jesus als den verheißenen Messias und König. Es zeigt zahlreiche Erfüllungen alttestamentlicher Prophezeiungen und stellt Jesus als den neuen Mose dar, der eine neue Tora bringt. In Kapitel 11 sehen wir diese messianischen Themen besonders deutlich, während wir gleichzeitig die sehr menschliche Dimension des Glaubensweges betrachten.

Auslegung von Matthäus 11

Die Frage des Johannes - Zweifel im Gefängnis (Verse 1-6)

"Und es geschah, als Jesus seine Befehle an seine zwölf Jünger vollendet hatte, ging er von dort weg, um in ihren Städten zu lehren und zu predigen. Als aber Johannes im Gefängnis die Werke des Christus hörte, sandte er durch seine Jünger und ließ ihm sagen: Bist du es, der kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten? Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und verkündet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde werden sehend und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, und Tote werden auferweckt, und Armen wird gute Botschaft verkündigt; und glückselig ist, wer sich nicht an mir ärgert!" (Matthäus 11,1-6)

Stellen Sie sich diese Szene vor: Johannes der Täufer, der Wegbereiter Jesu, derjenige, der Jesus im Jordan getauft und die Stimme vom Himmel gehört hatte: "Dies ist mein geliebter Sohn", sitzt nun im Gefängnis. Seine Umstände sind düster, seine Zukunft ungewiss. Und in dieser Situation kommen ihm Zweifel. "Bist du es wirklich?" Eine erstaunliche Frage von jemandem, der Jesus so klar erkannt und bezeugt hatte.

Johannes erlebt hier was manche Theologen "die Nacht des Glaubens" nennen - jene Zeiten, in denen Gottes Gegenwart nicht spürbar ist, wenn Gebete unbeantwortet scheinen und Zweifel aufkommen. Seine Erwartungen an den Messias werden durch seine Umstände in Frage gestellt. Vielleicht dachte er, der Messias würde die Gefangenen befreien, das Reich Gottes mit Macht aufrichten. Stattdessen sitzt er selbst im Gefängnis.

Jesu Antwort ist bemerkenswert. Er verurteilt Johannes nicht für seine Zweifel. Stattdessen verweist er auf seine Taten: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein. Dies sind direkte Erfüllungen messianischer Prophezeiungen aus Jesaja 35 und 61. Jesus bestätigt damit seine Identität, aber auf eine Weise, die Johannes herausfordert, seine Erwartungen zu überdenken. Der Messias ist gekommen, um zu heilen und zu retten, nicht um politische Revolution zu bringen.

Der letzte Satz ist besonders bedeutsam: "Glückselig ist, wer sich nicht an mir ärgert." Jesus weiß, dass seine Art, der Messias zu sein, für viele ein Ärgernis sein wird. Sie erwarten einen kriegerischen König, aber er kommt als dienender Heiler. Der Glaube muss lernen, Gott so anzunehmen, wie er sich offenbart, nicht wie wir ihn uns vorstellen.

Jesu Zeugnis über Johannes - Größter und Kleinster (Verse 7-15)

"Als diese aber hingingen, fing Jesus an zu der Volksmenge zu reden über Johannes: Was seid ihr in die Wüste hinausgegangen zu sehen? Ein Rohr, vom Wind hin und her bewegt? ... Aber was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Einen Propheten? Ja, sage ich euch, sogar mehr als einen Propheten. Dieser ist's, von dem geschrieben steht: »Siehe, ich sende meinen Boten vor deinem Angesicht her, der deinen Weg vor dir bereiten wird«. Wahrlich, ich sage euch: Unter den von Frauen Geborenen ist kein Größerer aufgetreten als Johannes der Täufer; der Kleinste aber im Reich der Himmel ist größer als er." (Matthäus 11,7-11)

Nachdem die Jünger des Johannes gegangen sind, wendet sich Jesus an die Menge und gibt ein erstaunliches Zeugnis über Johannes. Er stellt klar: Johannes war kein wankelmütiger Mensch wie ein vom Wind bewegtes Rohr. Nein, er war ein Prophet - ja mehr als ein Prophet. Er war der von Maleachi angekündigte Bote, der dem Messias den Weg bereiten sollte.

Dann kommt das erstaunliche Lob: "Unter den von Frauen Geborenen ist kein Größerer aufgetreten als Johannes der Täufer." Denken Sie daran: Das schließt Abraham, Mose, David und alle anderen Glaubensgrößen des Alten Testaments ein. Johannes steht an der Schwelle zwischen den Testamenten, er ist der letzte und größte Prophet des alten Bundes.

Aber dann folgt der scheinbare Widerspruch: "Der Kleinste aber im Reich der Himmel ist größer als er." Was bedeutet das? Es geht nicht um moralische oder spirituelle Größe im persönlichen Sinne, sondern um den historischen Standort. Johannes stand noch vor dem Kreuz, vor der Auferstehung, vor der Ausgießung des Heiligen Geistes. Er sah das Reich Gottes von weitem, aber wir, die wir nach Christus leben, haben eine größere Offenbarung, eine vollständigere Einsicht in das Wesen des Reiches Gottes.

Dies ist eine wichtige Lektion für uns: Unsere Stellung im Reich Gottes wird nicht primär durch unsere persönliche Frömmigkeit bestimmt, sondern durch die historische Offenbarung, die uns gegeben ist. Wir leben nach dem Kommen Christi, nach seinem Tod und seiner Auferstehung. Wir haben den Heiligen Geist empfangen. Damit haben wir Vorrechte, die selbst die größten alttestamentlichen Gläubigen nicht hatten.

Unbelehrbare Generation - spielende Kinder (Verse 16-19)

"Mit wem soll ich aber dieses Geschlecht vergleichen? Es ist Kindern gleich, die auf dem Markt sitzen und ihren Gefährten zurufen und sprechen: Wir haben euch gepfiffen, und ihr habt nicht getanzt; wir haben euch Klagelieder gesungen, und ihr habt nicht geweint! Denn Johannes ist gekommen, der aß nicht und trank nicht, und sie sagen: Er hat einen Dämon. Der Menschensohn ist gekommen, der isst und trinkt, und sie sagen: Siehe, ein Fresser und Weinsäufer, ein Freund der Zöllner und Sünder! Und die Weisheit ist gerechtfertigt worden von ihren Werken." (Matthäus 11,16-19)

Jesus beschreibt hier eine tiefe geistliche Wahrheit über die menschliche Natur, besonders wenn es um geistliche Dinge geht. Er vergleicht seine Generation mit Kindern, die auf dem Marktplatz spielen. Eine Gruppe möchte Hochzeit spielen und erwartet, dass die anderen tanzen, aber sie tun es nicht. Dann wollen sie Beerdigung spielen und erwarten Trauer, aber wieder reagieren die anderen nicht.

Was ist das Problem? Nicht die Art des Spiels, sondern die grundsätzliche Verweigerungshaltung. Diese Kinder wissen einfach nicht, was sie wollen.

Genauso verhält es sich mit den religiösen Führern und vielen Menschen jener Zeit. Johannes der Täufer kam mit einem asketischen Lebensstil - ernst, streng, fastend - und sie sagten: "Er hat einen Dämon." Dann kam Jesus, der an Festen teilnahm, mit Zöllnern und Sündern aß - und sie beschuldigten ihn, ein "Fresser und Weinsäufer" zu sein.

Das wahre Problem war nicht der Stil der Boten, sondern die Herzenshaltung der Zuhörer. Sie waren unbelehrbar. Sie fanden immer einen Grund, die Botschaft abzulehnen. Diese Tendenz gibt es auch heute noch. Menschen suchen Ausreden, warum sie nicht glauben können - die Kirche ist zu streng oder zu locker, die Christen sind nicht perfekt genug, die Lehre ist zu kompliziert oder zu simpel.

Am Ende sagt Jesus: "Und die Weisheit ist gerechtfertigt worden von ihren Werken." Trotz aller Ablehnung erweist sich Gottes Weisheit als richtig durch ihre Früchte. Die Werke Jesu und die Wirkung seiner Botschaft bestätigen ihre Wahrheit, unabhängig davon, wie Menschen darauf reagieren.

Weherufe über unbußfertige Städte (Verse 20-24)

"Dann fing er an, die Städte zu schelten, in denen die meisten seiner Wunderwerke geschehen waren, weil sie nicht Buße getan hatten: Wehe dir, Chorazin! Wehe dir, Betsaida! Denn wenn in Tyrus und Sidon die Wunderwerke geschehen wären, die in euch geschehen sind, längst hätten sie in Sack und Asche Buße getan. Doch ich sage euch: Tyrus und Sidon wird es erträglicher ergehen am Tag des Gerichts als euch! Und du, Kapernaum, die du bis zum Himmel erhöht worden bist, du wirst bis zum Totenreich hinabgeworfen werden. Denn wenn in Sodom die Wunderwerke geschehen wären, die in dir geschehen sind, es wäre geblieben bis heute. Doch ich sage euch: Dem Land Sodom wird it erträglicher ergehen am Tag des Gerichts als dir!" (Matthäus 11,20-24)

Diese Verse enthalten eine der ernstesten Warnungen im gesamten Matthäusevangelium. Jesus spricht Weherufe über die Städte, in denen er die meisten Wunder getan hatte - Chorazin, Betsaida und besonders Kapernaum, das so etwas wie sein Hauptquartier während seines Wirkens in Galiläa war.

Was war ihr Vergehen? Sie hatten die mächtigsten Offenbarungen Gottes gesehen, aber nicht darauf reagiert. Sie hatten nicht Buße getan. Jesus vergleicht sie mit den heidnischen Städten Tyrus und Sidon und sogar mit Sodom, dem Inbegriff sündiger Verderbtheit. Und er sagt, dass es diesen Städten am Tag des Gerichts erträglicher ergehen wird als den galiläischen Städten.

Warum? Weil mit größerer Offenbarung größere Verantwortung einhergeht. Diese Städte hatten das Vorrecht, Jesus persönlich zu erleben, seine Lehre zu hören, seine Wunder zu sehen. Sie hatten eine geistliche Chance, die andere nicht hatten, und sie ließen sie ungenutzt.

Dies ist eine ernste Warnung für alle, die das Evangelium hören. Besondere geistliche Vorrechte bringen besondere Verantwortung mit sich. Wenn wir Gottes Wirken in unserem Leben erfahren haben, wenn wir das Evangelium gehört haben, dann sind wir verantwortlich für unsere Reaktion darauf. Gleichzeitig sehen wir hier auch die göttliche Gerechtigkeit: Gott richtet Menschen nach dem Maß der Offenbarung, die sie empfangen haben.

Jesu Lobpreis und die Einladung an die Beladenen (Verse 25-30)

"In jener Zeit begann Jesus und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies vor Weisen und Verständigen verborgen und es Unmündigen geoffenbart hast. Ja, Vater, denn so war es wohlgefällig vor dir. Alles ist mir übergeben von meinem Vater; und niemand erkennt den Sohn als nur der Vater, noch erkennt jemand den Vater als nur der Sohn und der, welchem der Sohn ihn offenbaren will. Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich will euch Ruhe geben. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen; denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht." (Matthäus 11,25-30)

Nach den ernsten Weherufen folgt einer der tröstlichsten Abschnitte der ganzen Bibel. Jesus bricht in Lobpreis aus - nicht über den Erfolg seines Wirkens, sondern darüber, wie Gott wirkt. Er preist den Vater, dass er die Offenbarung vor den "Weisen und Verständigen" verborgen, aber den "Unmündigen" geoffenbart hat.

Dies ist ein radikales Umkehren menschlicher Erwartungen. Normalerweise würden wir erwarten, dass die religiösen Experten, die Theologen, die Gebildeten Gott am besten verstehen. Aber Jesus sagt, dass Gott sich oft denen offenbart, die demütig und offen sind wie Kinder - den "Unmündigen". Warum? Weil das Reich Gottes nicht durch intellektuelle Leistung erlangt wird, sondern durch demütige Annahme.

Dann folgt eine der tiefgründigsten Christusaussagen des Neuen Testaments: "Alles ist mir übergeben von meinem Vater; und niemand erkennt den Sohn als nur der Vater, noch erkennt jemand den Vater als nur der Sohn und der, welchem der Sohn ihn offenbaren will." Hier beansprucht Jesus eine einzigartige Beziehung zum Vater. Er ist der exklusive Offenbarer des Vaters. Wenn wir Gott kennenlernen wollen, müssen wir zu Jesus kommen.

Und dann kommt die wunderbare Einladung: "Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich will euch Ruhe geben." Wer sind die Mühseligen und Beladenen? Das sind alle, die unter der Last des Lebens leiden - unter Sünde, Schuld, religiösen Pflichten, Lebenssorgen, Zweifeln. Jesus lädt nicht die Starken und Selbstsicheren ein, sondern die Erschöpften und Belasteten.

Sein Angebot ist nicht zusätzliche Religion, sondern Ruhe. Aber diese Ruhe kommt nicht durch Untätigkeit, sondern durch das Annehmen seines "Joches". In der damaligen Landwirtschaft war ein Joch das Holzgestell, das zwei Ochsen verbindet, um gemeinsam eine Last zu ziehen. Jesus lädt uns ein, sein Joch auf uns zu nehmen - mit ihm verbunden zu sein, von ihm zu lernen, unter seiner Führung zu leben.

Warum ist sein Joch sanft und seine Last leicht? Weil wir nicht mehr allein tragen müssen. Wenn wir mit Jesus verbunden sind, trägt er die Hauptlast. Wir lernen von ihm, der "sanftmütig und von Herzen demütig" ist. In einer Welt, die nach Leistung, Erfolg und Selbstverwirklichung strebt, bietet Jesus einen anderen Weg an: Demut, Sanftmut und Abhängigkeit von ihm.

Bezug zur Lebenswelt heute

Was hat dieses 2000 Jahre alte Kapitel mit unserem Leben heute zu tun? Sehr viel! Die Themen von Matthäus 11 sind zeitlos und treffen mitten in unsere heutigen Glaubensherausforderungen.

Zweifel im modernen Glaubensleben

Wie Johannes der Täufer erleben auch heute viele Gläubige Zeiten des Zweifels. Vielleicht sitzen wir nicht in einem physischen Gefängnis, aber manchmal in einem Gefängnis der Umstände, der Enttäuschungen, der unerfüllten Erwartungen. Wir beten, aber Gott scheint nicht zu antworten. Wir dienen, aber sehen keine Frucht. Wir haben bestimmte Erwartungen, wie Gott wirken sollte, und wenn er anders handelt, kommen Zweifel auf.

Matthäus 11 zeigt uns, dass Zweifel zum Glaubensweg dazugehören können, sogar bei den größten Glaubensvorbildern. Entscheidend ist nicht, ob wir zweifeln, sondern was wir mit unseren Zweifeln tun. Johannes brachte seine Zweifel zu Jesus. Das ist der richtige Weg. Anstatt in unserem Zweifel zu verharren oder uns von Gott abzuwenden, sollten wir wie Johannes zu Jesus gehen mit unseren Fragen.

Gott ist nicht beleidigt oder enttäuscht von unseren ehrlichen Fragen. Im Gegenteil, er lädt uns ein, zu ihm zu kommen mit all unserer Müdigkeit und unseren Lasten, einschließlich der Last des Zweifels.

Die Herausforderung der geistlichen Bequemlichkeit

Die unbelehrbare Generation, die Jesus beschreibt, hat ihr modernes Pendant. Auch heute gibt es Menschen, die immer einen Grund finden, das Evangelium abzulehnen. Die Kirche ist zu progressiv oder zu konservativ, die Christen sind Heuchler, die Bibel ist nicht wissenschaftlich genug. Wie die Kinder auf dem Marktplatz wissen sie oft selbst nicht, was sie eigentlich wollen.

Diese Haltung kann auch in uns selbst auftreten. Wenn wir uns in unserer geistlichen Komfortzone eingerichtet haben und nicht bereit sind, von Gott herausgefordert zu werden. Wenn wir erwarten, dass Gott unseren Erwartungen entspricht, anstatt uns seinen Wegen zu öffnen.

Die Geschichte warnt uns davor, geistlich wählerisch oder anspruchsvoll zu werden. Gottes Wege sind nicht unsere Wege, und sein Timing ist nicht unser Timing. Wir sind berufen, ihm zu vertrauen, auch wenn wir nicht alles verstehen.

Verantwortung angesichts geistlicher Vorrechte

Die Weherufe über die galiläischen Städte erinnern uns an die Verantwortung, die mit geistlichen Vorrechten einhergeht. Wir leben in einer Zeit und in Kulturen, in denen das Evangelium leicht zugänglich ist. Wir haben Bibeln in unserer Sprache, Freiheit zur Ausübung unseres Glaubens, Zugang zu guten Lehren und Gemeinschaft mit anderen Gläubigen.

Diese Vorrechte bringen Verantwortung mit sich. Wie reagieren wir auf das, was wir gehört und gelernt haben? Leben wir danach? Teilen wir es mit anderen? Oder nehmen wir es als selbstverständlich hin?

Gott wird uns nicht nach dem Maßstab richten, den wir nicht kannten, sondern nach dem, was wir kannten und erhalten haben. Das ist sowohl eine ernste Warnung als auch eine Motivation, die Gaben und Möglichkeiten, die wir haben, treu zu nutzen.

Die Einladung in einer müden Welt

In unserer heutigen, hektischen, leistungsorientierten Welt ist Jesu Einladung an die Mühseligen und Beladenen aktueller denn je. Viele Menschen sind erschöpft - von der Arbeit, von familiären Verpflichtungen, von der Informationsflut, von den Erwartungen anderer, von der Suche nach Sinn und Erfüllung.

Die Welt bietet viele vermeintliche Lösungen an: Selbstoptimierung, Entspannungstechniken, Konsum, Ablenkung. Aber Jesus bietet etwas grundlegend Anderes an: Ruhe für die Seele. Nicht nur oberflächliche Entspannung, sondern tiefe, innere Ruhe.

Sein Weg ist nicht zusätzliche Religion oder spirituelle Leistung, sondern eine Beziehung. Das Joch, das er anbietet, ist die Verbindung mit ihm. Wenn wir mit Jesus verbunden sind, müssen wir nicht mehr alles allein tragen. Wir lernen von ihm, der sanftmütig und demütig ist - Eigenschaften, die in unserer von Selbstbehauptung geprägten Kultur oft unterschätzt werden.

Praktische Umsetzung im Alltag

Umgang mit Zweifeln

Wenn Sie Zweifel erleben, tun Sie was Johannes tat: Bringen Sie sie zu Jesus. Das kann konkret bedeuten:

  • Ehrliches Gebet: Sprechen Sie Ihre Zweifel direkt vor Gott aus. Er ist groß genug, um mit Ihren Fragen umzugehen.
  • Bibelstudium: Wie Jesus Johannes auf die Schrift verwies, so können auch wir in der Bibel nach Antworten suchen.
  • Gemeinschaft: Teilen Sie Ihre Zweifel mit vertrauenswürdigen Glaubensgeschwistern. Oft können andere uns Perspektiven geben, die wir allein übersehen.
  • Auf Gottes Wirken achten: Manchmal müssen wir, wie Johannes, auf die "Werke Christi" schauen - darauf, wie Gott in der Vergangenheit gewirkt hat und auch jetzt wirkt.

Demütige Offenheit bewahren

Um nicht wie die unbelehrbare Generation zu werden, können wir praktisch:

  • Kinderlike Offenheit kultivieren: Im Gebet immer wieder darum bitten, dass Gott uns sein Reich mit den Augen eines Kindes sehen lässt.
  • Vorurteile überprüfen: Regelmäßig reflektieren, welche Erwartungen wir an Gott haben und ob wir ihm erlauben, anders zu handeln.
  • Bereit sein zu lernen: Von anderen Christen, aus verschiedenen Traditionen, sogar von Kritikern.

Jesu Einladung annehmen

Um die Ruhe zu finden, die Jesus verspricht, können wir praktisch:

  • Regelmäßig zu Jesus kommen: Im Gebet, im Bibellesen, in der Stille.
  • Sein Joch aufnehmen: Uns bewusst mit Jesus verbinden in allem, was wir tun. Das kann ein einfaches Gebet sein: "Herr, ich tue dies mit dir und für dich."
  • Von Jesus lernen: Besonders in den Evangelien seine Sanftmut und Demut betrachten und nachahmen.
  • Lasten abgeben: Bewusst Sorgen, Ängste und Belastungen im Gebet bei Jesus abladen.

Liebe Gemeinde, Matthäus 11 zeichnet ein ehrliches Bild des Glaubenslebens - mit seinen Höhen und Tiefen, mit Zweifeln und Offenbarungen. Aber es endet nicht mit den Weherufen oder den Zweifeln des Johannes. Es endet mit der wunderbarsten Einladung, die je ausgesprochen wurde: "Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich will euch Ruhe geben."

Diese Einladung gilt auch heute. Egal, wo Sie stehen - ob Sie momentan Zweifel erleben wie Johannes, ob Sie sich müde und beladen fühlen von den Anforderungen des Lebens, ob Sie enttäuscht sind von unerfüllten Erwartungen an Gott - Jesus lädt Sie ein. Kommen Sie zu ihm. Nehmen Sie sein Joch auf sich. Lernen Sie von ihm.

Sein Joch ist nicht eine zusätzliche Last, sondern eine befreiende Verbindung. Wenn wir mit Jesus verbunden sind, trägt er die schwere Last, und wir finden Ruhe für unsere Seelen. In einer Welt, die nach Leistung und Selbstoptimierung strebt, bietet Jesus einen anderen Weg an: Demut, Sanftmut und Vertrauen auf ihn.

Möge Gott uns helfen, diese Einladung anzunehmen und die Ruhe zu finden, die unsere Seelen sucht. Mögen wir lernen, auch in Zeiten des Zweifels zu ihm zu kommen und uns von ihm die Offenbarung schenken zu lassen, die wir brauchen. Und mögen wir die wunderbare Wahrheit erfahren, dass sein Joch wirklich sanft und seine Last wirklich leicht ist.

Amen.